
Die zehn wichtigsten Dinge, die Eltern über ME/CFS wissen sollten
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March 2025
Wenn dein Kind an ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) erkrankt ist, verändert sich alles. Plötzlich steht das Leben still – und doch dreht es sich weiter. Termine, Schule, Freundschaften, Familienalltag: Alles wird komplizierter, vieles schmerzhaft. Vielleicht fühlst du dich machtlos, überfordert oder allein gelassen – mit Fragen, die kaum jemand beantworten kann.
Du bist nicht allein. Und es ist okay, wenn du nicht gleich weißt, wie du damit umgehen sollst.
Dieser Text ist für dich. Für Eltern, die einen Weg suchen inmitten von Unsicherheit. Für dich, der du dein Kind liebst und schützen willst – auch wenn du selbst gerade Halt brauchst.
1. ME/CFS ist real – auch wenn man es nicht sieht.ME/CFS ist keine Einbildung und kein „bisschen müde sein“. Es ist eine komplexe, körperliche Erkrankung, die das gesamte Leben beeinträchtigt. Viele Symptome sind unsichtbar – doch sie sind da: bleierne Erschöpfung, Schmerzen, Konzentrationsstörungen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Glaub deinem Kind. Es braucht dein Vertrauen mehr als jede Lösung.
2. Du darfst traurig, wütend oder hilflos sein.Viele Eltern fühlen sich schuldig, weil sie emotional nicht mehr können. Das ist verständlich. Die Diagnose reißt an euren Lebensplänen – und an deinem Herzen. Deine Gefühle sind berechtigt. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sie zuzulassen – sondern ein Akt von Stärke.
3. ME/CFS bedeutet eine radikale Lebensumstellung.Strukturen, Gewohnheiten und Erwartungen müssen neu gedacht werden. Was früher selbstverständlich war – Schule, Sport, Freizeit – wird zu einer Herausforderung oder ist vorerst nicht mehr möglich. Akzeptanz braucht Zeit. Und Geduld. Mit deinem Kind. Und mit dir selbst.
4. Schule ist nicht immer das Wichtigste – Gesundheit schon.Es fällt schwer, wenn dein Teenager plötzlich keinen Unterricht mehr besuchen kann. Aber das Dranbleiben um jeden Preis ist bei ME/CFS oft kontraproduktiv. Die Erkrankung erfordert Energie-Management, keine Überforderung. Es gibt Wege zur schulischen Inklusion – aber der erste Schritt ist: den Druck rausnehmen.
5. Dein Kind ist nicht faul.Jugendliche mit ME/CFS möchten oft mehr tun, als sie können. Viele schämen sich für ihre Grenzen. Es kann helfen, wenn du ihnen vermittelst: Du musst nichts leisten, um wertvoll zu sein. Du bist gut, so wie du bist – auch im Rückzug, auch im Liegen, auch wenn du "nein" sagen musst.
6. „Pacing“ ist kein Rückzug – es ist Selbstfürsorge.Pacing bedeutet, die eigene Energie klug einzuteilen. Für gesunde Menschen wirkt es oft wie Verzicht – doch für ME/CFS-Erkrankte ist es überlebenswichtig. Unterstütze dein Kind dabei, ein Gefühl für die eigenen Grenzen zu entwickeln. Jeder vermiedene Crash ist ein kleiner Sieg.
7. Du musst nicht alles alleine schaffen.Auch wenn du die Hauptbezugsperson bist – du darfst dir Unterstützung holen. Ob durch Coaching, Austauschgruppen, Fachleute oder Freunde. Es ist keine Schwäche, Hilfe anzunehmen. Es ist Fürsorge – auch für dein Kind. Denn je stabiler du bist, desto mehr Kraft hast du für den gemeinsamen Weg.
8. Deine Familie ist mitbetroffen – und braucht Aufmerksamkeit.Geschwisterkinder, Partnerschaften, der ganze Familienalltag – alle sind involviert. Deshalb ist es so wichtig, dass nicht nur das kranke Kind im Zentrum steht. Es darf Räume geben für Leichtigkeit, für Wut, für Fragen – für jeden von euch.
9. Es gibt keine schnelle Lösung – aber viele hilfreiche Wege.ME/CFS ist komplex, die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen. Aber es gibt Möglichkeiten, den Alltag besser zu gestalten, Krisen zu entschärfen, Ressourcen zu stärken. Von individueller Lernbegleitung bis zu Gruppencoachings für Familien – du musst nicht alles alleine herausfinden.
10. Deine Liebe macht einen Unterschied – jeden Tag.Auch wenn du zweifelst, müde bist, dich überfordert fühlst: Dein Kind spürt deine Nähe. Deine Geduld. Dein Mitgehen. Auch ohne Antworten bist du ein Anker. Auch ohne Lösungen bist du ein Zuhause.
Du bist nicht allein auf diesem Weg.
Es ist ein Weg voller Fragen, Umwege, Rückschläge – und dennoch: voller Bedeutung. Du begleitest dein Kind in einer Ausnahmesituation. Du gibst Halt in einem System, das oft nicht versteht. Und du darfst dir selbst ebenso viel Mitgefühl schenken wie deinem Kind.
Wenn du Unterstützung brauchst – es gibt sie. Und du musst nicht erst am Ende deiner Kräfte sein, um sie dir zu holen.